Jetzt habe ich endlich mal Zeit, die Geschichte von unserem 1. Mai Lamm zu schreiben.
Wie lange das jetzt her ist kann ich gar nicht mehr genau sagen, ich schätze mal ungefähr vier Jahre. Wie gesagt, es war erster Mai und es regnete schon
den ganzen Tag.
Trotzdem hatte ich mich mit dem Frauchen von Anna und Joschi für einen Spaziergang verabredet.
Wir waren schon eine ganze Weile gelaufen, als Waltraud plötzlich sagte, :"Was liegt denn da vorne im Gras ?" Ich sah nur etwas schwarz-weißes und
sagte automatisch,:" Eine
Kuh." Alles was schwarz-weiß ist, im freien Feld, ist bei mir immer erst mal eine Kuh. Wir gingen näher und trauten unseren Augen nicht, ein kleines Lamm lag dort,
mutterseelenallein, keine Schafherde weit und breit. Total durchnäßt versteckte es sich im Gras.
Na klasse! Das konnten wir nicht einfach dort liegen lassen, also, einfangen war angesagt. Leichter gesagt als getan, sehr mißtrauisch war das Kleine,
es machte gar keine
Anstalten sich von uns einfangen zu lassen und suchte das Weite. Es konnte noch nicht lange auf der Welt sein, wir konnten die Nabelschnur noch sehen.
Mittlerweile fing es
richtig an zu gießen, aber wir gaben nicht auf. Man soll nicht glauben, wie schnell so ein kleines Lamm sein kann!
Anna, Joschi und Blue interressierte das alles nicht die Bohne. Von unserer Blue, dem Hütehund, hätte ich etwas anderes erwartet. Nicht mal einen einzigen
Blick schenkte sie
dem Lämmchen, sie wollte, wie die zwei anderen lieber nach Hause bei dem Wetter. Aber da hatten sie keine Chance, wir banden sie zusammen an einen
Baum fest, damit wir
mehr Bewegungsfreiheit hatten, und da standen sie dann wie begossene Pudel und konnten ihre Frauchen überhaupt nicht verstehen, die wie Verrückte hinter
diesem Lamm her
jagten. Wir versuchten uns auch in der "Schafssprache", machten bä,bä,bä, in allen Variationen, ab und zu schaute das Lamm dann zu uns, aber mehr passierte
auch nicht.
Wahrscheinlich war es andere "bä,bä,bä" gewöhnt.
Wir versuchten es mit Trick 17, eine stellte sich ein paar Meter vor das Lamm lenkte es ab, und die andere versuchte sich von hinten
anzuschleichen und es zu überrumpeln. Aber so klein es war, blöd war es nicht, es merkte ganz genau, was hinter ihm vorging und wir konnten
auch den Trick 17 begraben. Mittlerweile waren wir nass bis auf die Haut und die Hunde sahen nicht mehr aus wie begossene Pudel sondern wie Wasserratten.
Und wollten nur
noch nach Hause, nach Hause, nach Hause.
Wir standen da, beratschlagten, das beste wäre wohl, erst mal zum Auto zurück zu gehen und dann noch mal zu dem Lamm zu fahren, um es erneut zu versuchen.
Wir hatten Decken im Auto, vielleicht gelang es uns mit Hilfe einer Decke es zu fangen. "Einfach" eine Decke über das Tier werfen, so stellten wir uns das vor.
"Einmal versuche ich es noch." sagte ich, als wir uns schon auf den Weg machen wollten. Ich "schlich" mich von hinten an, was natürlich sofort bemerkt wurde,
und die Flucht wurde ergriffen, zu unserem Glück verfing es sich in einem Strauch, sonst hätte ich es nie erwischt, aber ich hatte es, wir lagen beide im Matsch,
und ich ließ es nicht mehr los.
Und kaum hatte ich es auf den Armen war es die Freundlichkeit in Person, lammfromm eben ! Es hatte auch gar nichts
dagegen getragen zu werden, sondern wars zufrieden. Jetzt stand das Auto nicht gerade um die Ecke, sondern wir hatten noch ein gutes Stück zu laufen, irgendwann
war auch dieses kleine Lamm ganz schön schwer. Und die Hunde, die vorher überhaupt kein Interresse gezeigt hatten, waren auf einmal total begeistert und wollten
unbedingt mal schnuppern. Vor allem Joschi sprang wie ein kleiner Gummiball auf und ab um mal riechen zu können. Das erleichterte das ganze
natürlich nicht.
Aber irgendwann erreichten wir das Auto und fuhren erst mal zu mir nach Hause. Auch die Autofahrt meisterte das Lämmchen mit Bravour, es saß auf meinem Schoß,
als hätte es noch nie etwas anderes gemacht. Zu Hause angekommen
rubbelten wie alle Vierbeiner, inclusive
Lamm erst mal trocken. Was dieses sich ebenfalls ohne Widerworte gefallen ließ. Es stiefelte in der Wohnung herum, als sei das die normalste Sache der
Welt, und dann verfolgte es mich auf Schritt und Tritt, wahrscheinlich hatte es mich nun als Mama auserkoren. Allerdings hatte es so seine Schwierigkeiten
mit dem glatten Boden in der Küche und im Schlafzimmer. Wir waren beide entzückt von diesem goldigen
Teil
Nur, was sollten wir jetzt mit ihm machen, es gehörte ja zu irgendeiner Schafherde und mußte zurück zu seiner Mutter. Also wurde hin und
her telefoniert, irgendwie der zuständiege Schäfer ausgemacht, der aber im Moment nicht zu erreichen war. Dann hatten wir jemand am Telefon, der sich mit
Schafen einigermaßen auskannte. Ob wir Kuhmilch hätten, ich starrte Waltraut an,:"Woher soll ich Kuhmilch haben?" fragte ich sie verständnislos.
Ja ich weiß, ich bin manchmal ganz schön begriffsstutzig, aber in dem Moment dachte ich sofort an frische, warme Milch von einer Kuh, die ich
womöglich gerade noch selbst gemolken hatte. Hätte er gefragt,:"Habt ihr Milch im Haus?" hätte ich natürlich sofort ja gesagt. Aber dann fiel der Groschen,
ja Milch hatte ich da, und Nuckelflaschen natürlich auch. Während wir die Flasche für das Lamm fertig machten, klingelte wieder das Telefon,
der Schäfer hatte sich gemeldet, und uns wurde beschrieben wo die Schafherde stand.
Also wurde das Kleine wieder ins Auto gepackt. Die zweite Autofahrt seines Lebens, meisterte es wieder ohne mit der Wimper zu zucken,
Wir fuhren wieder ins Feld zurück, gar nicht weit von der Stelle, wo wir das Kleine gefunden hatte, versteckt
hinter Büschen und Bäumen stand die Schafherde. Deswegen hatten wir sie nicht sehen können. Und keins der Schafe hatte auch nur den kleinsten Laut
von sich gegeben, sonst hätten wir sie ja gehört.
Als wir das Kleine aus dem Auto hoben und auf die Wiese setzten, fing es sofort an nach seiner Mutter zu blöcken, die Mutter blöckte zurück, und es rannte
was die kleinen Beine hergaben zur Mama, ach was eine Freude! Warum das Kleine nicht mit der Herde mitgelaufen war konnte man nicht nachvollziehen.
Also, wenn ich Schäfer wäre...., na ja, das lassen wir lieber!
Übrigens war unser "bä, bä, bä gar nicht so verkehrt gewesen. Der Schäfer machte uns sein "bä" vor, und alle Schafe kamen angerannt, inclusive der Lämmer.
Nur hatten wir wahrscheinlich nicht die richtige Tonlage getroffen, aber man kann ja nicht alles können!
Am liebsten hätten wir es natürlich behalten, aber ein Schaf allein, das geht nicht, und wo hätte man sie unterbringen sollen. Der Schäfer erzählte uns aber dann,
daß er dieses Schaf zum züchten verwenden wollte. Wahrscheinlich wollte er uns aber nur beruhigen, wir waren so fertig mit der Welt nach dieser Aufregung, daß
wir ihm das auch geglaubt haben. Später ist uns dann eingefallen, wir hätten ihm es ja abkaufen können, wir hätten Impfungen und was sonst noch so ansteht bezahlt,
es hätte aber trotzdem bei seiner Herde bleiben können. Manchmal ist man wirklich blöd !
Ist das nicht goldig! Vor allem Joschi war sehr interessiert.